St. Benedikt Beuerbach
St. Johannes Baptist Geretshausen
St. Peter und Paul Petzenhausen
St. Martin Penzing
St. Ulrich Pestenacker
St. Pankratius Schwifting
St. Magnus Oberbergen
St. Pankratius Ramsach
St. Mauritius Weil

Schutzpatron von Sankt Wolfgang ist der Heilige Wolfgang von Regensburg - um 924 bei Reutlingen, wahrscheinlich in Pfullingen geboren und am 31. Oktober 994 in Pupping, heute Oberösterreich, gestorben.
Am 07. Oktober 1052 wurde Wolfgang von Papst Leo IX. heiliggesprochen, der Gedenktag ist der 31. Oktober. Der Heilige Wolfgang ist Schutzpatron von Bayern sowie zahlreicher Kirchen.

Am westlichen Ortsrand liegt die St. Wolfgangkapelle, welche auf das späte 15. Jahrhundert zurückgeht. Die Bauzeit wird auf 1480 bis 1500 angegeben und als gotisch eingeordnet. Der Bau der Kapelle und ein offensichtlicher Erweiterungsbau von St. Mauritius fallen in den gleichen Zeitraum. 1707 wurde die Kapelle erweitert und 1747 durch 15 gemauerte Kreuzwegstationen im Außenbereich ergänzt. Die 15. Station stellt dabei, üblicherweise in Süddeutschland und hier besonders im Bistum Augsburg, die Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena dar. Die spätbarocken Korbbogennischen mit Pilastergliederung und Dreiecksgiebel enthielten auf Blech gemalte Gemälde, die 1940 als gänzlich verrostet (Ortsakte Bayr. Landesamt für Denkmalpflege) beschrieben werden. Da die Stationen nicht mehr vorhanden sind, können über die tatsächlichen Darstellungen nur Vermutungen angestellt werden.

Südseite von St. Wolfgang

An der östlichen Außenwand steht eine eindrucksvolle und ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1698 [Über der Kreuzigungsgruppe ist die Jahreszahl in römischen Ziffern MDCCXLVII (1747) angebracht - dies dürfte das Jahr des baulichen Abschlusses von St. Wolfgang gewesen sein]. Das farbig gefasste Kunstwerk dürfte von dem Landsberger Bildhauer Lorenz Luidl geschaffen worden sein und wurde wohl zum Dank dafür, dass die Gemeinde beim Österreichischen Erbfolgekrieg glimpflich davongekommen war, 
in Auftrag gegeben. Die Gruppe befindet sich in einer angebauten Satteldachnische mit großer Korbbogenöffnung.

Die Kreuzigungsgruppe wurde 1983/1984 von Lorenz Schießling (gebürtiger Weiler), einem Oberammergauer Maler, renoviert und neu gefasst. Die Kosten übernahm der Kath. Frauenbund Weil. Die in Lebensgröße dargestellte Kreuzigungsgruppe ist mittlerweile wieder in einem Zustand, der laut nach Renovierung „schreit“. Zu der Gruppe gehörte auch ein „Putten Engel mit Kelch – das Blut Christi aus Seiner Seitenwunde auffangend“, leider ist dieser Engel in den 1950er Jahren verschwunden.

 

Aus der Spätgotik stammt der dreiseitig geschlossene Chor, der ein zierliches Sternrippengewölbe enthält. Um 1700 wurde das Langhaus und die Zwiebelhaube erbaut. Das Langhaus ist durch große Stichbogenblen den gegliedert und mit einer gefelderten Holzdecke ausgestattet. Der Chor wird durch einen spitz zulaufenden Bogen vom Kirchenschiff getrennt. An der Westseite ist eine einfache Holzempore vorhanden. Der barocke Stuckmarmoraltar wurde aus Resten des Hochaltars der Pfarrkirche Petzenhausen zusammengestellt; dazu findet sich in den LG folgender Vermerk:
„Da Pfarrer Lidl von Petzenhausen seinen Hochaltar an die Wand versetzen und um ein ziemliches verkleinern ließ, kaufte Pfarrer Thoma von Weil ihm die Ueberbleibsel ab und ließ daraus mit Beihilfe von Guttätern den schönen Altar in der Wolfgangkapelle aufrichten. Derselbe kam auf 120 Gulden. Die 5 Statuen waren schon vorhanden.“

Pfarrer Thoma schreibt dazu:
„Am 23. April 1797 wurden die zwei Altarblätter Sylvest und Sebastian in der Wolfgangkapelle ganz neu gemacht und kosteten mit den kleinen Bildern Johann und Therese 22 Gulden. Wurde alles von Guttätern bezahlt, da die Kapelle kein Vermögen hat. Am 24. Mai wurde diese Kapelle auch auf Kosten von Guttätern innen und außen repariert und die 3 Antependien (Altarbezug, Anm. des Autors) neu angeschafft. Die ganze Reparatur machte 60 Gulden.“
Vor dem Kauf der „Altarreste“ aus Petzenhausen und deren Umgestaltung und Einbau in St. Wolfgang dürfte die Kapelle ziemlich spartanisch eingerichtet gewesen sein. Auch ist es nahezu auszuschließen, dass die Kapelle als Pfarrkirche genutzt wurde, denn es fehlt eines der wichtigsten Indizien, ein Friedhof, dafür. 

Friedhöfe gab es bei St. Rupert und in der Folgezeit um St. Mauritius.

Die wunderschön und eindrucksvoll geschnitzte Kreuzigungsgruppe (überlebensgroß dabei die Holzplastik von Jesus), leider völlig vom Staub der an der Kapelle vorbeiführenden unbefestigten Straße verschmutzt.

 

Hauptaltar in St. Wolfgang mit den beiden Seitenaltären

 

Im zweisäuligen Retabel (Schauwand am Altar) stehen insgesamt 5 Holzskulpturen die Lorenz Luidl zugeschrieben werden. Die Skulpturen werden auf 1680 bis 1690 datiert und zeigen von links beginnend: den Hl. Benedikt, die Hl. Ottilia, den Hl. Wolfgang, den Hl. Bartolomäus und den Hl. Leonhard.

 

Johann Schober fasst in einer Kurzcharakteristik 1915 die Wolfgangkapelle so zusammen: „Am westlichen Ende des ansehnlichen Ortes die Wolfgangskapelle mit Freithof und gemauerten Kreuzwegstationen. Das Kirchlein wird von 9 Linden (stärkste bei 3 Meter Umfang) umgeben, die aber vor noch nicht allzulanger Zeit stark entästet und dadurch verstümmelt wurden. An der äußeren Ostwand des Chores schöne Kreuzigungsgruppe und eine Anzahl Totenbretter.“

Die Erwähnung „Freithof“ scheint aus der Luft gegriffen, denn für einen Friedhof bei St. Wolfgang gab bzw. gibt es keinerlei gesicherten Hinweis. Nach der Skizze (aus dem Kreisheimatbuch) befanden sich die Totenbretter links und rechts neben der Kreuzigungsgruppe an der Ostseite von St. Wolfgang. Inschriften auf den Totenbrettern (Beispiele):

Skizze aus dem Kreisheimatbuch

Skizze aus dem Kreisheimatbuch

 

* Der Mann, dem dieses Denkmal gilt, 
Hats Tagwerk nun vollendet;
Wohl ihm, wenn Gott ihm treu und mild 
Den Himmelslohn gespendet.

* Der Jahre viel nennt man ein Glück,
Doch nur, wer recht gehandelt, 
Wer gleich in Freud und Mißgeschick
Nach Gottes Willen wandelt;
Dies hat der Mann getreu getan, 
Den dieses Denkmal ehret; 
Er strebte rüstig himmelan, 
Hat sich als Christ bewähret.
Streb, Wanderer, nach der Himmelskron,
Als höchsten Erdenpilgers Lohn!

* Zwei enggeschlossne Herzen 
Zerriß hier früh der Tod;
Doch dort nach kurzen Schmerzen 
Vereint sie wieder Gott.

* In Weil lieg ich begraben.
Meine Heimat sah ich nimmermehr 
und all, die mich geliebet haben. 
Das fiel mir schmerzlich schwer. 
Liebe Gattin, Kinder und Bekannte 
Gedenket meiner im Gebet.
Im Himmel sehen wir uns wieder 
Wo alles bittre Leid vergeht.
Weil, leb wohl auf immer,
Erreichen konnte ich dich nimmer.

Renovierungsbedürftige Kapelle

Dass die Kapelle renovierungsbedürftig ist, verdeutlicht der große Riss im Spitzbogen.

 

Wäre sehr schade, sollte die malerische Kapelle nicht mehr renoviert und somit vermutlich dem Abriss preisgegeben werden.

1957 wurde die Kapelle notdürftig durch die Gemeinde renoviert, erhebliche Witterungsschäden hatten dies erforderlich gemacht. In den 1960er Jahren waren sämtliche Holzplastiken aus der Kapelle entwendet worden, was aber zunächst niemandem aufgefallen war. Erst nachdem spielende Kinder in Beuerbach in Säcke verpackte Holzplastiken fanden, wurde der Diebstahl in Weil festgestellt. In den Jahren 1981 bis 1983 wurden umfangreiche Instandsetzungs- und Renovierungsmaßnahmen für 370.000 DM vorgenommen. Die Arbeiten umfassten neben der Grundentfeuchtung auch eine Dach- und Turmsanierung. Auch wurde die Kapelle elektrifiziert, zudem wurde eine Alarmanlage installiert, war ja auch nach dem Diebstahl absolut notwendig.
Die von Johann Schober beschriebenen 9 Linden, welche das Gesamtbild der Kapelle lange Zeit bestimmt hatten, mussten leider im Jahr 2006 alle gefällt werden. Nachdem in den zurückliegenden Jahren in regelmäßigen Abständen der Rosenkranz in der Kapelle gebetet wurde, ist es mittlerweile nicht mehr erlaubt, die Kapelle zu betreten - es herrscht Einsturzgefahr. Für 2020 bestand allerdings das Vorhaben, zumindest den Kirchturm zu sichern; zum Ende des Jahres wurde allerdings mit den Sicherungsmaßnahmen noch nicht begonnen, vielleicht klappt es ja 2021. Herr Pfarrer Martin Rudolph machte in einer Predigt die Aussage, dass zumindest die statischen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Von den im Buch abgedruckten Bildern sollte man sich jedenfalls nicht täuschen lassen, vermitteln sie doch, dass es nicht so schlimm um die Kapelle bestellt ist. Eine umfangreiche Renovierung der Kapelle ist unumgänglich, um das Schmuckstück vor dem Verfall zu retten.